Umbau Hauptsammler Cannstatter Straße / Brief vom 22.08.2017 an das Tiefbauamt der Stadt Stuttgart

↓ Nachtrag 25.08.2017

Stuttgart, 22. August 2017

OFFENER BRIEF
an den Leiter des Tiefbauamts der Stadt Stuttgart, Herrn Wolfgang Schanz 

Betrifft: Umbau Hauptsammler Cannstatter Straße / Engstelle für Düker-Anschluß

Sehr geehrter Herr Schanz,

Die Bahn läßt z.Zt. am Ausgang aus der Klett-Passage in den Mittleren Schlossgarten den Abwasser-Hauptsammler „Cannstatter Straße“ abändern, um hier einen Anschlussschacht für den Zulauf-Kanal zum „Cannstatter Düker“ einzufügen. Hierzu wurde der bestehende Abwasserkanal DN 2.000 Ø auf etwa 4 m Länge vollständig abgebrochen.

Wie aus dem nachfolgenden Bild vom 20.8.2017 zu ersehen ist, wurde dazu der Bestandskanal beiderseits der Trennstelle zugemauert und nur ein Not-Ablauf in Form von drei Kunststoffrohren mit lediglich ca. 25 cm Durchmesser eingebaut. Diese Maßnahme ist völlig unzureichend; der Rohrquerschnitt wurde damit von über 3 m² auf ca. 0,15 m² verringert, das sind nur noch etwa 5 % vom Ausgangs-Querschnitt!

Umbau Abwasserkanal Cannstatter Straße
Zulauf Düker Cannstatter Straße

Der aus der Königstraße kommende Abwassersammler „Cannstatter Straße“ dient der Entwässerung des gesamten Innenstadtbereiches beiderseits der Königstraße. Für den sogen. Trockenwetter-Abfluss mag der v.g. Querschnitt des Not-Ablaufes ja gerade noch hinreichen; bei einem stärkeren Regen, wie in letzter Zeit mehrfach vorgekommen, reicht dieser geringe Abfluss-Querschnitt jedoch keinesfalls aus; es wird zum Rückstau und zur Überflutung kommen. Bis der neue Schacht fertiggestellt und wieder ein ordnungsgemäßer Abfluss bei unvermindertem Querschnitt möglich sein wird, werden wenigstens zwei Monate vergehen.

Besonders gefährdet ist die tieferliegende Klettpassage. Dies umso mehr, als das obere der drei Not-Ablaufrohre ein großes Loch mit etwa 10 cm Weite aufweist und dazu auf ganzer Länge aufgeplatzt ist, wie auf dem nebenstehendem Bild vom 20.8.2017 klar erkennbar ist. Schon bei geringem Anstau im Hauptsammler wird hier Wasser austreten, die Schacht-Baugrube überfluten und sich dann in die tieferliegende Klett-Passage ergießen. Bei stärkerem Anstau muß mit einem Zerplatzen des geborstenen Rohres gerechnet werden mit ungehindertem Wasser-Austritt, wobei die Klett-Passage überflutet würde.

Darauf zu vertrauen, dass während der mindestens zwei Monate dauernden Umbauzeit des Schachtes ein Ereignis, das solche Folgen hätte, schon nicht passieren werde, ist schlicht verantwortungslos. Die beiden bevorstehenden Monate sind erfahrungsgemäß die regenreichsten im ganzen Jahr!

Wir haben daher die folgenden Fragen:

  1. Wurde diese Maßnahme in der beschriebenen Form mit der SES Stadtentwässerung Stuttgart als zuständiger Fachbehörde so abgestimmt?
  2. Falls ja, wie beurteilt die SES Stadtentwässerung Stuttgart einen daraus möglicherweise resultierenden Überflutungsschaden? Dieser wäre ja aus den genannten Gründen nicht auf „höhere Gewalt“ zurückzuführen, sondern auf eine bewusste Inkaufnahme dieser – bereits jetzt als möglich erkennbaren - Folgen durch die verantwortliche Amtsleitung.
  3. Falls nein, wie konnte es dazu kommen, dass die SES Stadtentwässerung Stuttgart ihrer Überwachungspflicht bei Eingriffen in die städtischen Abwasseranlagen durch die DB AG und deren Auftragnehmer nicht nachgekommen ist, um eine fach- und sachgerechte Ausführung durchzusetzen?
  4. Wird die SES Stadtentwässerung Stuttgart jetzt unverzüglich bei der DB AG durchsetzen, dass jederzeit geeignete Maßnahmen getroffen werden können, mit denen eine Überflutung vermieden werden kann?

Mit freundlichen Grüßen

Dipl.-Ing. Hans Heydemann | Prof. Dr. jur. Dipl.-Ing. Uwe Dreiss | Dipl-.Phys. Wolfgang Kuebart

Originalbrief

Nachtrag: Am 25.08.2017 wurde festgestellt, dass das schadhafte Rohr ausgewechselt wurde und ein Notüberlauf durch Wegnahme des oberen Teiles der Abmauerung geschaffen wurde, der allerdings die Überflutungsgefahr für die Klett-Passage nicht verringert.

Zustand der Baumaßnahme am 25.08.2017
Stand der Baumaßnahme am 25.08.2017